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PRÄVENTION
Veröffentlicht am 10.02.2017

Vortrag "K.O.-Tropfen - Fiese Drogen im Glas"


Theano von Blumenthal von der frauenBeratung Nürnberg informierte im Sitzungssaal über ihre Arbeit in der Beratungsstelle im Allgemeinen und speziell über das Thema K.O.-Tropfen.

 

Im vergangenen Jahr ließen sich 84 Frauen beraten, bei denen der Verdacht bestand, dass ihnen K.O.-Tropfen verabreicht wurden. "Dabei kann es jede und jeden treffen, egal ob in der Disco, in Bars oder auch auf privaten Feiern", räumt Frau von Blumenthal mit dem Vorurteil auf, dass es ausschließlich junge Frauen trifft, die feiern gehen und bereits Alkohol konsumiert haben. Die Substanzen, die als K.O.-Tropfen verabreicht werden, sind einfach erhältlich, billig, nahezu geschmacksneutral und leicht in Getränke zu mischen.

Der folgende Film zeigt, wie schnell Getränke manipuliert werden können:

 

Die Wirkung von K.O.-Tropfen ähnelt denen eines Alkoholrausches und reicht von Euphorie über Sedierung/Willenlosigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit, weshalb auch Begleitpersonen oft nicht daran denken, dass K.O.-Tropfen die Wirkung ausgelöst haben könnten. Ein Gesundheitsrisiko für die Opfer wird von den Tätern dabei oft billigend in Kauf genommen, um weitere Straftaten zu begehen. Frauen werden tendenziell eher Opfer sexueller Gewalt, Männer häufiger Opfer von Diebstahl und Raubdelikten.

 

Die Expertin beschrieb die Strategien der Täter, die sich an Lokalitäten aufhalten, die bekannt sind für weniger genaues Hinsehen des Barpersonals oder wo es aufgrund der Masse an Personen unübersichtlich zugeht. Oft werden gezielt bereits angetrunkene Personen ausgesucht, die der Täter auf weitere Getränke einlädt oder deren Getränke leicht unbeobachtet manipuliert werden können. In der Praxis kommen auch Fälle vor, wo Opfer mit freiwilligen Rauschexperimenten gezielt manipuliert werden. Mit Einsetzen der Wirkung täuschen die Täter dann oft Hilfsbereitschaft vor und helfen dem Opfer nach draußen oder auf die Toilette.

 

Häufig können sich die Betroffenen nur noch bruchstückehaft erinnern, was passiert ist und suchen aus Angst und Schamgefühl ("Ich kann mich nicht mehr erinnern, was ist eigentlich genau passiert?", "Wer hat mich alles gesehen?", "Wie erkläre ich das meinem Freund?") keine Hilfe oder zu spät Hilfe auf. Oft verstreicht in dieser Phase wichtige Zeit. K.O.-Tropfen können im Blut nur ca. 6 Stunden nachgewiesen werden, im Urin ca. 12 Stunden, bevor sie vom Körper abgebaut werden.

 

Die Expertin stellte abschließend noch verschiedene Möglichkeiten der Prävention vor, z.B. Spikeys, eine Art Stöpsel, den man auf die Flaschenöffnung steckt und diese abdichtet. Verschiedene Arten von Schnelltests können K.O.-Tropfen anzeigen, wurden aber eher kritisch bewertet. Diese Tests können keine absolute Sicherheit bieten und erwecken im Fall einer Tat eher den Eindruck, dass das Opfer doch selbst Schuld sei, weil es sich nicht geschützt hätte.

 

Zusammenfassend handelte es sich um einen sehr interessanten und lebendigen Vortrag, der viel Fachwissen vermittelte, aber gleichzeitig gespickt war mit Fallbeispielen aus der Praxis.

 

K.O.-Tropfen_Vortrag_2017



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